Wegen der kalten Februarluft verteilen die vier Schauspieler zunächst Pelze zum Überwerfen an ihre etwa 30 Zuschauer. Deren Hände wärmen sich an Teetassen, als die Vorstellung beginnt. Die ersten Szenen finden draußen statt, obwohl es aus dem warm erleuchteten und mit Teppichen verhängten Haus bereits verheißungsvoll dampft. Erst im Laufe des Abends zeigt sich, dass Regisseurin Mareike Mikat die russische Sauna, genannt Banja, vor allem als Kulisse benutzt. Kaum ist man durch die im Haus hängenden Heizstrahler aufgewärmt, verlagert sie die Handlung nach draußen, dann wieder nach drinnen. Warm und kalt - ein Theaterabend im Saunatakt.
Inhaltlich gestaltet sich die Inszenierung allerdings weniger eindeutig. Die Akteure lesen überwiegend in Russland spielende Geschichten szenisch. Natalia Belitski und Anita Vulesica schimpfen sich am Grab eines Vaters in Rage, und Emanuele Peters gibt den 13-jährigen Austauschschüler, der sich als Geheimagent geriert. Lediglich eine Szene befasst sich dann auch inhaltlich mit der Sauna. Helle Holzbänke säumen die Wände im weißen Haus, eine Badewanne steht in der Mitte. Dort tauschen sich die vier als eingeschworene Transpirationsgemeinschaft darüber aus, was in ihrer Sauna passierte: Eines Tages erschienen mit dem Längeren, dem Kürzeren und dem Wolligen drei neue Besucher. Und obwohl alle nackt waren, ließen weder die Eindringlinge noch die Etablierten von distanzierenden Konventionen ab. Schließlich versuchte der Wollige, das peinliche Schweigen durch einen, nun ja, mittelmäßigen Witz zu überwinden - mit entsprechendem Erfolg. Fällt in einer Ankündigung des Centraltheaters das Wort „Intimität“, steht ein ganzes Arsenal an Befürchtungen zur Wahl. Die Inszenierung „Gemischte Sauna“ gelingt eben, weil sie auf überladene, bildliche Drastik verzichtet: Die Unterwäsche verbleibt an den Körpern, ein einziger Eimer roter Farbe erweist sich als ausreichend. Stattdessen schlagen die vier Schauspieler die Birkenbesen nicht nur auf die eigenen Rücken, sondern slapstickartig auch auf den des Kollegen, der sich verliest. An die Schwelle zur Geschmacklosigkeit führt aber dann doch eine spezielle Geschichte im Sauna-Kontext. Darin werden zwei Menschen nach dem vorherigen, kollektiven Waschen in eine Gaskammer getrieben. Die Tür schließt sich, die Ventilatoren beginnen zu rotieren, Beklemmung. Nur weil Andrej Kaminskys ihn mit großem Ernst vorträgt, funktioniert dieser Text. Später wird es um Raketen gehen, um bei Moskau verloren gegangene Außerirdische oder Kochrezepte, die teilweise aus CDs von The Prodigy bestehen. Das Publikum wird Borschtsch löffeln und die Sauna dabei ein wenig vergessen. Das Attribut „gemischt“ wird bleiben.
Schwitzbad ohne Nackte, Leipziger Volkszeitung, Theresa Wiedemann, 23.02.2010