Der Mann ohne Vergangenheit

Von Aki Kaurismäki

Am Anfang steht ein feiger Überfall auf einen schlafenden Mann. Auf der Suche nach Arbeit in die Stadt gekommen, ist die Geschichte dieses Mannes eigentlich schon nach fünf Minuten zu Ende – und geht doch als modernes Märchen einer Menschwerdung weiter.

Der Mann, herausgefallen aus der Zeit, kann sich durch einen Schlag auf den Kopf nicht mehr erinnern, wer er ist. Ohne Identität ist er ein Niemand, den auch grobmaschige soziale Netze nicht mehr auffangen. In einer Gesellschaft, in der sich der Mensch in erster Linie durch sein Tun, vor allem durch seine Arbeit definiert, ist der Verlust des Wissens um die eigene Profession besonders gravierend. Kann der Mann sein altes Leben nicht mehr finden, muss er ein neues Leben erfinden. Hilfe widerfährt ihm durch die Solidarität der kleinen Leute, Obdachlosen und anderen Underdogs, die das Containerdorf am Hafen der Stadt bewohnen.

In Zeiten sozialer Kälte und Auflösung staatlicher Strukturen ist diese solidarische Gemeinschaft ein Hoffnungsschimmer. Kraft und Hoffnung gibt aber auch die Liebe zu der Heilsarmistin Irma.

Eine moderne Auferstehungsgeschichte, voller Melancholie und einer ganz eigenen Art Humor. Mit dem Stück nach dem gleichnamigen Film des finnischen Regisseurs Aki Kaurismäki wird sich die Regisseurin Annette Pullen erstmals in Leipzig vorstellen.

                                             Johannes Kirsten

mit Martin Brauer, Sebastian Grünewald, Sylvia Habermann / Anita Vulesica , Andrej Kaminsky, David Kosel, Melanie Schmidli

Regie: Annette Pullen
Raum: Susanne Münzner
Ausstattung: Gregor Sturm
Dramaturgie: Johannes Kirsten

Dauer: 1 Stunde 30 Minuten