Im Pelz (UA)
von Katharina Schmitt
ICH, SEVERIN VON KUSIEMSKI, VERPFLICHTE MICH HIERMIT, FÜR DIE DAUER VON SECHS MONATEN DER SKLAVE VON WANDA VON DUNAJEW ZU SEIN.
Ein Mann begegnet einer Frau. Er begegnet ihr mit einer absoluten Unterwerfungsgeste. Sie reicht ihm die plötzlich angebotene Macht verwundert auf einem Kuchentablett zurück. Doch die Ablehnung ist Teil des Lernprozesses, mit dem der Sklave sich seine Herrin erst heranziehen muss. Er zwingt sie, ihn zu zwingen. Er will dominiert, bestraft und gezüchtigt werden, weshalb er zunächst sie nötigen muss: zu einem Vertrag, der sie ermächtigt.
FRAU VON DUNAJEW VERPFLICHTET SICH, SO OFT WIE MÖGLICH PELZE ZU TRAGEN.
Severin und Wanda sind die beiden Hauptfiguren aus Leopold von Sacher-Masochs berühmter Novelle VENUS IM PELZ, die den Autor auf eine für ihn selbst zweifelhafte Art und Weise berühmt machte - als Namenspatron für den Masochismus. Für die Leipziger Literaturgeschichte blieb Sacher-Masoch ein Fremder, obwohl er vier Jahre in der Stadt lebte und arbeitete. Die Inszenierung ist also auch eine „Heimsuchung“ des Autors und konfrontiert uns mit seinen unfreien Radikalen: masochistischer Liebe und sadistischer Meisterschaft. IM PELZ von Katharina Schmitt, als Auftragsstück für die SKALA geschrieben, befragt die Motive jener Paarkonstellation aufs Neue, lotet rhetorisch und physisch die Un-/Möglichkeit eines Liebesvertrags mittels Schmerz und Unterwerfung aus.
Anja Nioduschewski
IM PELZ ist ein Auftragswerk für die SKALA des Schauspiel Leipzig. Katharina Schmitt erhielt für ihr Stück KNOCK-OUT 2006 den Lenz-Preis.
mit Anna Blomeier, Matthias Hummitzsch, Melanie Schmidli, Christoph Wirth
Regie: Johannes Schmit
Raum: Susanne Münzner
Bühne: Clementine Pohl
Kostüme: howitzweissbach
Dramaturgie: Anja Nioduschewski
Dauer: 1 Stunde 40 Minuten
Weiteres Material unter Denken+Handeln.