Hilbig lesen 1/Alte Abdeckerei

Lecture Performance von und mit Andrej Kaminsky

Jemand geht durch die Landschaft seiner Kindheit, entlang eines kleinen Flüsschens, und lauscht dem „Geraun aus der Dunkelheit“, erzählt von seinem Eintauchen ins düstere Revier „jenseits der Kohlenbahnlinie“ mit der alten Abdeckerei, „derweil das bestialische Land, von dem ich umgeben war, die scheußlichen Wahrheiten einer Unterwelt heraufbeschwor, die nur wenige Zentimeter unter dem Gras begann … Gras, darüber immer ein Wandern war, der unablässige Schritt eines Unsichtbaren, der gepreßte Lauf eines Atemlosen, das fliegende Hasten eines Kindes …“ Es ist eine surreale Landschaft des Verfalls, die Wolfgang Hilbig in „Alte Abdeckerei“ beschreibt. Eine Landschaft, durchtränkt von Geschichte, die in Bildern und Erinnerungsmomenten dem Wanderer begegnet. „Alte Abdeckerei“, 1990 entstanden, gibt dem Gefühl der frühen Nachwendejahre kongenial eine Gestalt und gießt es in eine sprachlich überwältigende Form. Vielen gilt deswegen die Erzählung als ein Schlüsseltext des Meuselwitzer Dichters und Autors Wolfgang Hilbig, der 2007 mit sechsundsechzig Jahren verstarb.

ALTE ABDECKEREI ist der erste Teil einer Reihe, in der sich der Schauspieler Andrej Kaminsky auf die Spur von Hilbigs Texten begibt. Eine Wanderung durch ein „Gebiet, welches der Osten war“

                                                                                                         Johannes Kirsten

von und mit: Andrej Kaminsky