Die letzten Tage in L.
Ein-Tag Festspiel mit und nach Texten der west-östlichen Diva Ronald M. Schernikau
Ronald M. Schernikau ist zweifellos eine der schillerndsten, literarisch „abwegigsten“ und politisch fragwürdigsten Figuren der jüngeren deutsch-deutschen Literaturgeschichte. Noch am 7. November 1989 lässt sich der Westberliner in die DDR einbürgern und zieht mit seinem frühen Tod unfreiwillig den Ruf des ersten Aids-Toten der DDR auf sich. Eine schwule Diva, ein selbsternannter Apostel der Heiterkeit, der als ernst zu nehmender Autor die westdeutsche Literatur radikalisieren wollte, und als ob das nicht reichte: schließlich im nicht gerade schwulenfreundlichen DDR-Staat seine kreative Heimat unter den Augen der Zensurbehörden finden will. Lange vor dem Mauerfall vollzieht dieser unfassbare Kentaur Schernikau die deutsche Einheit an sich selbst. Seit 1986 studiert er, der als 20-Jähriger im Westen mit seiner „Kleinstadtnovelle“ für Aufsehen gesorgt hatte, am Literaturinstitut Leipzig. Er geht in den Osten, weil der die angeblich besseren Schriftsteller hervorbringt … „und in diesem Ruhm möchte ich mich auch sonnen“. Vielleicht kehrt er auch in das Land zurück, in dem er geboren wurde und in dem der radikale Kommunist die richtigen politischen Rahmenbedingungen zu finden glaubt. Hier in Leipzig schreibt er sein Buch DIE TAGE IN L. – beschreibt darin Alltag, Literatur und Politik in der DDR und deren Verhältnis zur BRD. „ich schreibe, weil ich hoffe, dass meine biografie unnötig ist“, schreibt Schernikau einmal. Doch wir widersprechen ihm! Wir reanimieren ihn.
Anja Nioduschewski
mit: Rosalind Baffoe, Birgit Unterweger
Konzeption und Einrichtung: Johannes Schmit
Installation: Ralf Hauenschild
Kostüme: Franziska Grau
Dramaturgie: Anja Nioduschewski