DEUTSCHE GESCHICHTEN
„Ich schlage vor, dass wir uns küssen“
Eine Lesung von Rayk Wieland
Herr W. findet eine ominöse Einladung in der Post: Anlässlich einer Podiumsdiskussion unbekannter Untergrunddichter soll er über sein Werk, die Unterdrückung in der DDR und seine Erlebnisse als Staatsfeind berichten. Er glaubt an einen schlechten Scherz. Ist er überhaupt gemeint? W. stellt Nachforschungen an, unterzieht sich einer Rückführungstherapie in die ostdeutsche Vergangenheit und nimmt schließlich Einsicht in seine Stasi-Akte. Was für ein Fund! Akribisch abgeheftet finden sich hier seine lyrischen Gehversuche, dazu sämtliche Liebesbriefe an Liane in München – alles von einem Oberleutnant Schnatz gegengelesen, verwegen gedeutet und als staatszersetzend-konterrevolutionäres Schrifttum eingestuft. „Ich schlage vor, dass wir uns küssen“ ist ein Roman über die Absurditäten der (eigenen) Erinnerung, die große Wirkung kleiner Gedichte und eine Liebe, wie sie nur in geteilten Zeiten blühen konnte. Ein Buch über eine Mauer, die es nie gab. Eine wahre Geschichte, die niemand für möglich gehalten hat. Nicht einmal ihr Verfasser!
Rayk Wieland, geb. 1965, lernte Elektriker, studierte Philosophie, war Zeitungs-, Funk- und Fernsehredakteur und lebt als Autor und TV-Journalist bei Hamburg.
