LESUNG Peymann von A bis Z

Mit Claus Peymann, Regisseur und Direktor des Berliner Ensembles, und Dramaturg Hermann Beil

Keiner hat so ein Fingerspitzengefühl für Streit und Skandal. Claus Peymann rief in Stuttgart zu Spenden für eine zahnärztliche Behandlung der Stammheim-Insassin Gudrun Ensslin auf. In Wien inszenierte er Thomas Bernhards „Heldenplatz“ und brachte ein ganzes Land in Wallung. Zwei Beispiele für die Einmischungslust eines unentwegt erregten Theatermenschen. Der Journalist Hans-Dieter Schütt hat aus Interviews, Reden, Briefen, Zwischenrufen Peymanns, aus Reaktionen von Freunden und Feinden eine biografische Collage komponiert. Eine Anthologie der Augenblicke, die sich zu einem Leben formten, das sich in immerwährendem Spiel verliert – und findet. „Wer intelligenter ist, hat natürlich auch mehr dumme Einfälle. Sein Geist ist ruhelos, in ständiger Bewegung, also stolpert er ständig. Dummköpfe haben weniger dumme Einfälle.“ (Claus Peymann) In „Peymann von A bis Z“ spricht einer der wichtigsten und prägendsten Theaterregisseure im deutschsprachigen Raum Tacheles. Ein Buch wie ein Briefkasten, eine Blattsammlung, ein Sammelsurium, eine Fingerübung, ein Kalender. Peymann bezieht Stellung zu Stichwörtern, die sein Leben und Wirken als Provokateur, als Kunst- und Privatmensch begleiten. Von A wie „Abbitte beim Autor“ bis zu Z wie „Zeugnis“ – der impressionistische Reigen in diesem Buch ist ein wahres Stück meisterhafter Improvisation. Zwischen Ehrlichkeit, Selbstverliebtheit und Kunstsinn bringt er das Gesamtkunstwerk Claus Peymann auf die Bühne der Leipziger Skala.

                                                 DNB / CT