1. Es wird eine Prüfgesellschaft für Sinn und Zweck (im folgenden PSZ genannt) gegründet, deren Prinzipien, Absichten und Aufnahmebedingungen in der folgenden Satzung jetzt und für die Ewigkeit erhalten seien.

2. Sitz der PSZ ist das Centraltheater zu Leipzig.

3. Zweck der PSZ ist die Verbreitung von Irritation in geistigen Gegenden, wo Konsens herrscht, sowie die Standpunktfestigung in von Ratlosigkeit geplagten Zonen.

4. Der Zweck wird insbesondere verwirklicht durch die Errichtung und Pflege von Fragenschutzgebieten.

5. Motto der Prüfgesellschaft lautet: „Keine Lösung? Kein Problem!“

6. Der Schönheit wegen wird im Folgenden auf die unsägliche Schreibnorm „der/die PrüfgesellschafterIn“ verzichtet. Nichtsdestoweniger ist die weibliche Mitgliedschaft ausdrücklich erwünscht und in der Bezeichnung „der Prüfgesellschafter“ miteinbezogen.

7. Prüfgesellschafter ist, wer einen Mitgliedsausweis regelgerecht erworben und dieser Satzung zugestimmt hat, vorausgesetzt, er ist in der nötigen geistigen Verfassung, um zu verstehen, worum es in der Sache eigentlich geht.

8. Die Mitgliedschaft endet durch Tod oder Abschaffung des Kapitalismus.

9. Ein Ausstieg ist jederzeit möglich und wird durch Desozialisierungsprogramme und Änderung der Identität behördlich unterstützt.

10. Der Prüfgesellschafter verpflichtet sich, jede höhere Instanz in Frage zu stellen, nenne sich diese Gott, Staat oder Markt.

11. Wie alle anderen Fragen auch behält sich der Prüfgesellschafter das Recht vor, die „Systemfrage“ zu stellen. Insofern muss ihm klar sein, dass er im Sinne des Verfassungsschutzes einer „extremistischen Gruppe“ angehört.

12. Der Prüfgesellschafter gelobt, geistige Selbstverteidigungstechniken regelmäßig zu trainieren.

13. Der Prüfgesellschafter gelobt, freie Meinungsäußerung und Frechheit uneingeschränkt zu wahren.

14. Die PSZ fördert ein verantwortungsbewusstes Verhalten hinsichtlich der Vermeidung, Verwertung und Entsorgung von kulturellen, sozialen und politischen Abfällen. Der Prüfgesellschafter gelobt, herumliegende Ideen sorgfältig als „Altmeinungen“, „Hausirrtümer“, „Sperrglauben“, „ideologische Schadstoffe“ und „Sondermüll“ zu trennen und alle noch brauchbaren Theorien zu recyceln.

15. Im Hinblick auf die kommenden Katastrophen und die fortschreitende Verdummung verpflichten sich die Prüfgesellschafter einem gegenseitigen Schutz vor Panikmache, Verharmlosung, Selbstaufgabe und schlechter Laune.

16. Sowohl öffentlich als auch privat wahrt der Prüfgesellschafter die Etikette, die Kleiderordnung und den Umgang, welche der Zugehörigkeit einer auserlesenen Sozietät gebühren.

                                                                                           Guillaume Paoli, PSZ-Vorstand