07.02., 20 Uhr, Centraltheater Rangfoyer, 20 Uhr, 5 € / ALG-II-Empfänger 3 €

Wir bitten um Entschuldung

Du musst deine Schulden zurückzahlen – die Formel gilt als kategorischer Imperativ. Paradox ist aber: Wären auf einmal alle Schulden beglichen, würde die Gesellschaft aufhören zu existieren. Soziale Beziehungen bestehen darin, dass jeder jemandem etwas schuldet. Wir sind daran gewöhnt, unsere Verpflichtungen anderen gegenüber auf Soll und Haben zu reduzieren. Schuld, Abrechnung, Vergebung, Erlösung: all unsere moralischen Vorstellungen sind auf Kredit gebaut. Doch ist die scheinbar unpersönliche Arithmetik der Schulden eine Verschleierung von Gewalt. Es fing alles an, als der Krieger dem Besiegten sagte: „Ich hätte dich töten können, jetzt schuldest du mir das Leben.“ Kredit ist die Energiequelle des Kapitalismus. Indes funktioniert das System aufgrund einer seltsamen Umkehrung der Werte: Während die Gläubiger immer mehr Macht gewinnen, wird die Schuld auf die Schuldner geschoben. Die Geschichte zeigt aber: Ein Schuldenerlass ist immer möglich. Es ist allein eine Frage des politischen Willens, d. h. der Kräfteverhältnisse.

Mit der Zuspitzung der Schuldenkrise sind wir an einem historischen Scheidepunkt angelangt. Offensichtlich kann die jetzige Dynamik nur zum Kollaps führen. Da sind zeitgemäße, d. h. außerordentliche Alternativen gefragt. Derzeit wird in den USA und Europa (Deutschland ausgenommen!) die Schuldenfrage neu gestellt. Federführend sind oft Anthropologen – wahrscheinlich, weil man sehr weit zurückblicken muss, um Auswege zu finden. Einige dieser Theorien werden vom Hausphilosophen Guillaume Paoli vorgestellt.

                                           Guillaume Paoli