Zoot Woman / Baby Monster
Vor genau zehn Jahren war Stuart Price der Mann der Stunde. Kurz vor dem Ende des Millenniums hatte der schlaksige Brite, damals Kopf des House-Music-Projektes Les Rythmes Digitales, mit dem Titel „Jacques Your Body (Make Me Sweat)“ einen veritablen Underground-Hit gelandet. Der Song sickerte kurz darauf als Musik einer Werbekampagne für den Citroën C4 ins kollektive Bewusstsein und zog nach seiner nochmaligen Veröffentlichung in die britischen Top Ten ein. Auf dem Höhepunkt des Electro-Clash-Hypes traf Price genau den Nerv der Zeit, als er im Jahr 2001 mit Zoot Woman eine Formation ins Leben rief, die so stilsicher eingesetzte Reminiszenzen an den Synthie-Pop der frühen 80er Jahre mit einem todsicheren Gespür für Melodien verband. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Superstars wie die nach immer neuen Quellen ewiger Jugend und Hipness dürstende Madonna auf den Plan traten, um sich seiner musikalischen Mitarbeit zu versichern. Für Stuart Price war dies ein Segen, denn es war der Startschuss für Kollaborationen mit Interpreten wie Depeche Mode, Gwen Stefani, No Doubt, Britney Spars, New Order, The Killers, Felix Da Housecat oder Coldplay, um nur einige Namen zu nennen. Fans von Zoot Woman hatten hingegen das Nachsehen. Die zahllosen Engagements von Stuart Price sorgten dafür, dass es nach dem stürmisch gefeierten Debütalbum „Living In A Magazine“ nur noch ein unbetiteltes Nachfolgewerk gab. Danach war für sechs Jahre mehr oder weniger Sendepause. Bei ihrem Auftritt im Centraltheater werden Zoot Woman mit Nachdruck unterstreichen, dass ihnen mit „Things Are What They Used To Be“ im vergangenen Jahr ein würdiges Comeback-Album gelungen ist. Nahezu gespenstisch, wie nahtlos die Gruppe an den Glamour-Pop ihrer Anfangsjahre anknüpft, ohne dass das Ergebnis auch nur für eine Sekunde nach Stillstand oder Selbstplagiat klingt.
Christoph Gurk





