Phantom/Ghost
Special Guest: Dillon
Mit leichtem Gepäck reisen Phantom/Ghost auf ihrem inzwischen vierten Album durch eine heiter gestimmte Welt, die diesmal nicht von Geistern, sondern freundlichen Querulanten, vertrödelten Traumtänzern und sorglosen Müßiggängern bewohnt ist. Trotz dieses irdischen Personals und der reduzierten Instrumentierung aller Stücke – (präpariertes) Klavier und Gesang – ist „Thrown Out Of Drama School“ ein überaus feierliches Album geworden. Ihrer gemeinsamen Vorliebe für Erfundenes, Zusammengereimtes und Versponnenes gehen Dirk von Lowtzow (Tocotronic) und Thies Mynther bereits seit zehn Jahren nach, nun sind sie dort angekommen, wo sich das Spiel mit Künstlichkeiten, Manierismen, exaltierten Zitaten und theatralen Posen in seiner Reinform studieren lässt: auf der Bühne, in der Schauspielklasse, vor und hinter dem samtenen Vorhang.
Auch wenn „Thrown Out Of Drama School“ kein „echtes“ Highschool Musical ist, es folgt doch lose der Idee einer durchgehenden „Aufführung“ – ein kleines und wunderliches Konzert mit neun Kompositionen. Darin singen Phantom/Ghost ein Loblied auf renitente, ungehorsame Gesten, die von närrischem Witz, aber auch großer Sanftmut bestimmt sind. Neben bühnenartigen Musicalnummern finden sich auch Songs, die bildhaft funktionieren und geradezu filmische Erzählungen wachrufen. Sie tragen den Hörer in fremde Regionen, nach Marokko oder noch weiter weg, in surrealistische Traumwelten. „Thrown Out Of Drama School“ wirft uns immer wieder in eine ganz greifbare Wirklichkeit zurück – eine Wirklichkeit, die den Rahmen der Bühne nie verlässt. Applaus, eine Verbeugung, der Vorhang fällt. Auch wenn der Titel anderes behauptet: Diese Schauspielschule endet nie.
Esther Buss






