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Moriarty

Im amerikanisch-französischen Quintett Moriarty vereinigen sich Wasser aus der Seine und dem Mississippi: Alte Welt trifft neue Welt, Alt.Country trifft Chanson, Swamp-Blues trifft Cabaret. Ein nächtlicher Folk-Mix, der keinem Jahrzehnt, keinem Jahrhundert, keinem Ort zuzuordnen ist. Banjo, Harmonica, Doublebass, ein Koffer als Trommel und die unvergleichliche Kanarien-Stimme von Rosemary Moriarty.

Was ist das für eine sonderbare Kapelle, die in Frankreich landauf, landab die Hallen füllt mit einem Sound, den man eher im Theater als in der Hitparade einordnet? Das Französisch-Amerikanische zieht sich bereits durch die Identitäten der Mitglieder: Arthur und Thomas Moriarty kennen sich aus Pariser Sandkastentagen. Ihre Eltern sind befreundet, Arthurs Mutter ist Amerikanerin, bei Thomas stammen beide Elternteile aus den USA. So etwas schweißt zusammen. Die beiden bleiben unzertrennlich, wachsen auf wie Brüder, entdecken den Blues und unternehmen als Jugendliche gemeinsame Reisen.

Um die Wurzel des Blues zu finden, reisen sie nach Westafrika sowie nach Memphis. Arthur schaut sich die Fingerpicking-Techniken ab. Thomas lernt, seine Mundharmonika wie „ein Bandoneon, eine schnurrende Katze, eine irische Fidel, einen Mondkrater, ein halbautomatisches Maschinengewehr, einen Sonnenfleck“ klingen zu lassen.

Zu Hause in Paris haben sie eine Bluesband. Mit an Bord: Zim Moriarty und sein Stand-up-Bass. Auch er, halb Schweizer, halb Vietnamese, hat einen amerikanischen Hintergrund. Auch dabei: Charles Moriarty, US-Bürger, aufgewachsen in Lima, den man nach einer spontanen Session in die Band aufnahm. Er spielt in der Bluesband Charango, Dobro und elektrische Gitarren. Eine neue Dimension nimmt das Ganze an, als sie Rosemary Moriarty kennenlernen. Auch sie ist halb Französin, halb Amerikanerin, mit einer Stimme wie Waldhonig in den Gehörgängen. Als ihr damaliger Drummer die Band verlässt, kommen Moriarty zu dem Schluss, dass straighte Drums und das Bluesrockformat die Band in ihrer Entfaltung behindert haben und, so Zim, „dass unsere Stärke Rosemary ist“.

Fortan werden die Songs um Rosemarys Stimme arrangiert. Folk, Brecht/Weill, Country … Von jetzt an sind die Möglichkeiten endlos, Hauptsache, man wiederholt sich nicht. Es darf experimentiert werden! Wenn man sich zum Musizieren trifft, werden auch Gläser und Besteck zu Instrumenten. Zum neuen Schlagzeug wird …? Zim: „Ein alter Holzkoffer. Dieser Koffer hat seine eigene Geschichte – Thomas’ Onkel ist mit ihm so oft über den Atlantik gereist! Er ist voll mit all diesen alten Reise-Aufklebern. Der Koffer hat einen ganz eigenen Klang. Man spielt ihn mit Pinseln. Auf Tour ist er sehr praktisch – ein Instrument, in dem man hinterher andere Instrumente verstauen kann!“

Die Band trifft auf die erfolgreichen Theaterregisseure Deschamps und Makeieff. Die sind begeistert, nehmen die Band unter ihre Fittiche, fördern sie, setzen sie in ihren Inszenierungen ein, nutzen ihre Kontakte und vermitteln einen Plattenvertrag. Im Oktober 2007 erscheint das Debütalbum, wird von der Kritik gefeiert, erreicht zur Überraschung aller die Top 30 der französischen Hitparade und wird 2008 mit Gold ausgezeichnet. So reisen Moriarty nun durch Frankreich und spielen vor ausverkauften Häusern. „Heute in Clubs vor 200, morgen in einer Halle vor 7.000“, staunt Zim, dem auffällt: „Unser Publikum ist ein Querschnitt der Bevölkerung. Man sieht auch kleine Kinder und ältere Menschen. Ich glaube, das ist, weil sie alle gerne Geschichten anhören, und alle unsere Lieder erzählen Geschichten – auch wenn wir zwischen den Songs manchmal erklären müssen, da ja nicht alle Franzosen des Englischen mächtig sind.“

Geschichten sind auch die Idee hinter dem Albumtitel „Drifting Letter Office“. Zim: „Das Amt für verloren gegangene Briefe. Jeder der Songs ist ein Brief an eine Person, der nicht ankam.“ Diese einzelnen Geschichten kann man sich auf der Homepage von Moriarty zusammenreimen. Natürlich als Rätsel, in einer von Thomas gestalteten Online-Schnitzeljagd. Der französisch-amerikanische Sound hat die Band inzwischen um die Welt geführt. In Kanada ist man aufgetreten, in Irland, Italien, Deutschland (interessanterweise noch nicht in den USA), auf Kreuzfahrtschiffen hat man gespielt – und in Gefängnissen. 

moriarty@myspace

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