Kante
Es ist einige Zeit ins Land gegangen, seitdem sie unter dem Titel „Die Tiere sind unruhig“ ihr viertes und bislang letztes vollwertiges Album veröffentlicht haben. Untätig sind Kante in der Zwischenzeit nicht gewesen.
In einer Zeit, in der die Absatzzahlen für CDs im freien Fall begriffen sind und Verkaufserlöse kaum noch die Kosten fürs Tonstudio decken (vor allem dann nicht, wenn man so aufwendig produziert wie sie), hat die Band um Sänger und Gitarrist Peter Thiessen ihr Tätigkeitsfeld kurzerhand in die Theaterlandschaft verlegt. 2007 dokumentierte das Mini-Album „Kante Plays Rhythmus Berlin“ ihre Mitarbeit an einer Revue im Berliner Friedrichstadtpalast. Kurz darauf komponierten Kante den Soundtrack zu Friederike Hellers Inszenierung von Peter Handkes „Spuren der Verirrten“ und stehen auch heute noch bei jeder Aufführung des Stückes auf der Bühne des Wiener Akademietheaters.
Wenn sie in diesem Monat, zum ersten Mal seit drei Jahren, nach Leipzig kommen, gibt es kein neues Produkt zu bewerben. In einer um Blasinstrumente auf sieben Bandmitglieder erweiterten Besetzung verdichtet die aus Hamburg stammende Musikgruppe stattdessen eine Reihe ihrer letzten Kompositionen fürs Theater und ausgewählte Stücke aus ihrer Bandgeschichte – darunter „Tourisme“ vom ersten Album „Zwischen den Orten“, „Best Of Both Worlds“ und „My Love Is Still Untold“ von „Zweilicht“, „Moon, Stars And Planes“, „Baron Samedi“ und „New Babylon“ von „Zombi“ sowie „Ducks And Daws“ von „Die Tiere sind unruhig“ – zu einem überwiegend aus Instrumentalstücken bestehenden Programm, mit dem KANTE vor zwei Monaten das Publikum in der Berliner Volksbühne verzauberten.
Der Ausstieg aus den Verwertungszyklen der Musikbranche hat die Klangpoesie von Kante in ihrem Mut zum epischen Atem hörbar bestärkt.
Christoph Gurk


