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Ja, Panik / 206

Ja, Panik gelingt eine Balance, die es so bislang noch nicht gab: Zwischen lyrischem Geist – etwa des frühen „Hamburger Schule“-Pioniers Tobias Levin (Cpt. Kirk &.) - und dekadentem Falco-Flair sorgen der 23-jährige Wiener Sänger und Gitarrist Andreas Spechtl und seine Band für Aufregung. Ihr zweites Album „The Taste And The Money“ erscheint deshalb folgerichtig als Koproduktion des Hamburger Labels What’s so Funny About und des Wiener Labels Schönwetter. Weit davon entfernt, eine Konsens-Band zu sein, gelingt Ja, Panik ein Entwurf, der mal wirklich Lebens-Soundtrack ist. Sie leben in einer Wiener WG, in der auch viele der Songs aufgenommen wurden, und sind nicht umsonst auch von Sound & Spirit der deutschen Band Fehlfarben beeinflusst. Und überhaupt fröhlich dem Pessimismus zugeneigt.

                                         Powerline Agency

Weitere Informationen unter:
ja-panik.com
ja,panik@myspace


206

„Immer schneller immer schneller Richtung Abgrund“

Manchmal, sehr selten, hat man das Gefühl, sein ganzes Leben auf eine Art Musik gewartet zu haben – und dann ist sie plötzlich da und lässt einen atemlos im Möbel hängen oder im Raum stehen, oder wo man gerade ist. So verhält sich das mit der Musik von 206. Man fühlt sich aufgewühlt, beschenkt und verstanden und will dieses Gefühl teilen – deswegen dieser Text, vor dessen Lektüre man die Musik von 206 hören sollte, die alles erklärt, weswegen man sich dann die Lektüre dieses Textes sparen kann.

„Für wie lange hält die Batterie der Dummheit meine Wut zurück? / Ich glaub’ ich bin borniert / Ich hab noch nichts kapiert“

Na gut. Hier die harten Fakten: 206 kommen aus Halle an der Saale und sind Timm Voelker (Gesang, Gitarre, Texte), Leif Ziemann (Bass) und Florian Funke (Drums). 2008 gegründet, benannt nach der Summe des Körpergewichts der drei Bandmitglieder. Noch kein Plattenvertrag unterschrieben, obwohl Angebote vorliegen, aber sie wollen warten, Lieder schreiben, spielen. Allein 20 Konzerte im Herbst 2008, als Support für Bands wie Turbostaat, Kommando Sonne-Nmilch, Abwärts, The (International) Noise Conspiracy und Lichter und allein. Es geht schließlich, wie sich das gehört, um alles. Notausgänge zugemauert.

Die Musik von 206 ist eine Art wütend drängender Großstadtblues – direkt, hart, rau, voller verschiedener Einflüsse. Hier drückt alles explosionsartig nach außen, als würde irgendwas aufplatzen. Kurze, bei aller Reduktion vielschichtige Songs wie Dumgumgeschosse gegen die immerfort drohende Geistesgemütlichkeit und den Dreck, der uns umgibt. Der Sprengstoff sind Timm Voelkers Texte. Wie der alles anklagt, hinterfragt, mit knappen Worten aufwühlend realistische Bilder malt in Schwarz und Stufen von Grau und man immerfort nickt, weil das alles so WAHR ist. Wie das rausbricht, mit überkippender Stimme, als ob da einer um sein Leben sänge.

„Immer so nah, so nah wie möglich an der Bar / Fühlst dich schon ganz schwach / Blutest weil du selbst an der Haut gezogen hast“

Live, auf der Bühne, sind 206 so wunderbar verstörend, wie es die besten Bands schon immer gewesen sind. Manchmal stehen sie stoisch im Nebel im Klanggewitter, ein andermal kriecht Voelker zuckend über Kabel, beim nächsten Mal platzt vielleicht sein Kopf. Das Publikum, immer: wie paralysiert. Darauf muss man ja auch erst mal klarkommen. So unironisch und brutal offen, wie das hier alles ist. Und Voelkers Anklage geht nie nur an die böse große Welt, sondern immer auch an den, der vor ihm steht, und zuallererst an ihn selbst. Unbesiegbarkeit durch Selbstzerstörung. Niemand, der davon unbeeindruckt bliebe. Und genau das brauchen wir gegen den Rückzug in die innere Zufriedenheit, gegen die Abkehr von der fiesen Außenwelt. Wenn wir Glück haben, sind sie die Ersten einer neuen Art.

                                           Tino Hanekamp

Weitere Informationen unter:
206@myspace