Die Goldenen Zitronen
Sie haben viele Bands kommen und gehen sehen. Nun, 25 Jahre nach ihrer Gründung, sind DIE GOLDENEN ZITRONEN die letzte verbliebene Speerspitze linker Gegenwartskultur. Ihre unangefochtene Position als moralische Autorität konnten sie sich über einen derart langen Zeitraum nur erhalten, indem sie, nach ersten schnellen kommerziellen Erfolgen als Fun-Punk-Band, zum Geschäft mit Musik und Meinungen immer mehr auf Distanz gingen.
Die beiden Köpfe der Goldenen Zitronen, Sänger Schorsch Kamerun und Gitarrist Ted Gaier, sind mittlerweile fester Bestandteil der deutschsprachigen Theaterlandschaft. Das hat ihnen von fundamentalistischer Seite den Vorwurf eingebracht, es sich in subventionierten Staatsbetrieben als Berufsrevolutionäre gemütlich zu machen. Gleichzeitig aber sicherte ihnen diese Existenzform ihre Unabhängigkeit als Musiker.
Unter dem Namen DIE GOLDENEN ZITRONEN melden sie sich nur dann noch zu Wort, wenn es wirklich was zu sagen gibt. Das muss eindeutig der Fall gewesen sein, als sich die fünf Mitglieder im vergangenen Herbst trafen, um die Arbeit am neunten Studioalbum aufzunehmen. „Die Entstehung der Nacht“, konzipiert im Krisenjahr 2008, als die Sicherheitssysteme der weltweiten Finanzmärkte zu kollabieren drohten, ist die Momentaufnahme einer Zeit, in der den Menschen ganz grundlegend ihr Leben abhandenkommt.
Selten haben im Werk der GOLDENEN ZITRONEN gesellschaftskritische Texte und avancierte musikalische Praxis auf so brisante und zwingende Weise zusammengefunden, ohne dabei in Moralpredigten und Allgemeinplätze zu verfallen. „Keine Wiederholung der Kritik“, heißt es in einem von der Band lancierten Manifest. „Eher geht es darum, einen anti-resignativen Ausdruck für den Wunsch nach Weltflucht zu finden oder einer zähen Trauer sezierend auf den Grund zu gehen.“
Christoph Gurk












