Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen
Von Charles Copenhaver, nach Jacob und Wilhelm Grimm
Ist es ein Geschenk, eine Strafe oder sogar Dummheit, keine Furcht zu kennen? Heißt sich fürchten Schwäche zeigen? Sich angreifbar machen? Ist Furcht nicht ein Synonym für Scheitern und Verlieren, zumal in unserer Gesellschaft, die den Verwegenen und Erfolgreichen als Helden verehrt? Oder ist nicht in Wahrheit doch der ein Held, der Ängste ausspricht und sich ihnen stellt, um mehr über sich selbst, seine Träume und das eigene Ich zu erfahren?
Für Jakob, den jüngsten Sohn in diesem Märchen der Brüder Grimm, ist die Eigenschaft, sich vor nichts und niemandem zu fürchten, ein Fluch. Für seine Familie steht fest: Selbst zum Fürchten ist Jakob zu dumm. Und weil er offensichtlich zu nichts zu gebrauchen ist, wirft der Vater ihn kurzerhand aus dem Haus. Von jetzt an lautet Jakobs einziges Ziel, endlich das zu lernen, was alle anderen offenbar schon können: sich fürchten. Auf seiner Suche begegnet er einem als Gespenst verkleideten Küster und dem vom Leben gebeugten, krummen Mann; er trifft auf die sieben Gehenkten, deren Körper von Hass, Neid und Gier zerschlagen wurden, und den Kuchenmann, der in seinen Torten die Träume aller Länder verwahrt. Sein Weg führt Jakob schließlich in ein verwunschenes Schloss, in dem eine Gestalt ihr Unwesen treibt, der noch kein Mensch gewagt hat die Stirn zu bieten: der Unhold. Als Belohnung für seinen Mut winkt Jakob die Aussicht auf die Hand der schönen Prinzessin. Drei Nächte lang soll er den Attacken des Unholds widerstehen. Eine Aufgabe, wie geschaffen für einen furchtlosen Helden.
Michael Billenkamp
mit Natalia Belitski, Lisa Jopt, Georg Böhm, David Kosel, Lucas Prisor, Albrecht Schuch, David Simon, Johann David Talinski (Studenten der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig)
Johannes Dittmar (Bratsche), Felix Franzke (Gitarre), Philipp Rohmer (Bass), Friederike Bernhardt (Percussion)
Regie: Martina Eitner-Acheampong
Bühne: Peter Schickart, Matthias Wulst
Kostüm: Peter Schickart, Matthias Wulst
Musik: Gregor Hengesbach
Licht: Ralf Riechert
Dramaturgie: Michael Billenkamp
Dauer: 1 Stunde 50 Minuten
Weiteres Material unter Denken+Handeln.