Macbeth

William Shakespeare, aus dem Englischen von Thomas Brasch

„Pflegt eure Peripherien“ (Guillaume Paoli)

Es ist Krieg. Zwischen der Banalität des Tötens und dem Pathos des Krieges spielt sich alles ab. DAS SCHICKSAL. DIE MACHT. DAS UNHEIL. Zwei Männer prophezeien sich ihren Untergang. Der Krieg dauert an. Die Männer sind satt vom Lärm vom Blut und vom Mannsein. Schottlands Krone stinkt. Hier ist alles bestimmt, die Zeit abgeschafft. Da ist nur noch DAS SCHICKSAL. DIE MACHT. DAS UNHEIL. Hier ist alles schon gewesen, Vergangenheit und Zukunft sind Gegenwart geworden. Es gibt kein Warten darauf mehr, wie es passiert, nur dass es passiert. Das Ereignis, die Tat, die Handlung sind Bilanzen auf einer anderen Rechnung, der Freie Wille ist ausgeschaltet. Den hat hier vielleicht noch ein Hund, ein schwarzer Mops, der „Dunkelsprecher“, der den Part der Hexen übernimmt. Auch der Kampf eines Macbeth wird zum Zwang, sich dem Schicksal auszuliefern und an ihm abzuarbeiten. Wir können den Zustand von Auslieferung genießen, der unser Bewusstsein zum Un-Bewusstsein führt, an den Rand von allem. Liebe und Kampf kennen diesen Rausch. Auch der Körper. Selbst zum Rad zu werden, zum Rädchen, zum Schwert, zum Blut, Tat um Tat! Schiller hat die Kräfte des Erhabenen für das Theater beschrieben und wie das „wahre Unglück seinen Mann und seine Zeit nicht immer gut wählt; es überrascht uns oft wehrlos, und was noch schlimmer ist, es macht uns oft wehrlos“. Das Pathetische hingegen nennt er „künstliches Unglück“. DIE MACHT DES SCHICKSALS, DIE MACHT DER MACHT, DIE MACHT DES UNHEILS: Merkwürdig, denkwürdig ist dieser Moment. Dass wir der Metzelei zusehen, nimmt ihr den Charakter des Erhabenen, trennt sie vom Pathos, ohne das Unheil zu erniedrigen. Dass wir dem Unheil folgen müssen, steigert unsere Verzweiflung, aber nimmt dem Unheil nicht den Schrecken. Wir werden Macbeth. Wir verlassen die gewohnte Landschaft und betreten die Wildnis. Wir beobachten uns dabei und fühlen die Erotik des Vorgangs. Wir wehren uns nicht. Wir träumen wüst, wir werden verführt, wir sind böse.
                                                    Uwe Bautz


mit Maximilian Brauer, Andreas Keller, Guido Lambrecht, Thomas Lawinky, Paul Matzke, Peter René Lüdicke, Lore Richter, Emma Rönnebeck, Henrike von Kuick

Regie: Sebastian Hartmann
Bühne: Sebastian Hartmann
Kostüme: Hildegard Altmeyer
Licht: Rainer Casper

Dauer: 2 Stunden 10 Minuten


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