Eines langen Tages Reise in die Nacht
Eugene O’Neill, Deutsch von Michael Walter
„Ich gehe aus von der Theorie, dass die Vereinigten Staaten, anstatt das erfolgreichste Land der Erde zu sein, der größte Fehlschlag sind …“, schreibt Eugene O’Neill. Spiegelbild dieses Versagens sollte das Drama „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ sein, das er 1940 als Teil eines geplanten autobiografischen Zyklus verfasste. In Kenntnis seiner eigenen Lebensreise ist der Ich-Bezug unübersehbar. Er veranlasste O’Neill dazu, das Stück auf 25 Jahre nach seinem Tod zu sperren. Bereits 1956, drei Jahre nach seinem Ableben, fand die Uraufführung am „Königlichen Dramatischen Theater“ in Stockholm statt, an einem Theater, das er aufgrund der Verdienste um Strindberg für die Uraufführungen seiner Werke favorisiert hatte. „Ich brauche keine Geschichte, die Leute genügen.“ (Eugene O’Neill) Mit diesem Stück entstand das realistische Psychogramm einer Familie, deren Fassade an einem einzigen Tag zusammenbricht. Aller Schutz voreinander ist heruntergerissen, und die Schuld am eigenen Dilemma wird zunehmend bedingungsloser auf den anderen abgewälzt: James Tyrone, ein populärer Theatermacher, der mit seinem Egoismus, seinem Geiz und seiner Gier nach Grundbesitz die ganze Familie tyrannisiert, ist Alkoholiker. Seine Frau Mary, von ihrem Mann um Liebe und Geld betrogen, ist morphiumsüchtig. Der ältere Bruder Jamie ist schon lange vor der Familienhölle in den Suff geflüchtet, und auch der schwer kranke Edmund, zu den Eltern heimgekehrt, verfällt zunehmend der Sucht. Tragödie als Lebenspanorama, Schicksal als dramatischer Ablauf. Zurück bleibt der Kadaver einer Familie, gebildet aus Liebe und Hass.
mit Maximilian Brauer, Guido Lambrecht, Peter René Lüdicke, Henrike von Kuick, Anita Vulesica
Regie: Sebastian Hartmann
Ausstattung: Hildegard Altmeyer
Licht: Ralf Riechert
Dramaturgie: Uwe Bautz
Dauer: 2 Stunden 30 Minuten, eine Pause
Weiteres Material unter Denken+Handeln.