Don Juan (like a rolling stone)
Nach Molière
Ein Mann wie eine Supernova. Ein verglühender Himmelskörper: eruptiv und schillernd, kurz davor zu implodieren. Seine Libido vielleicht nur ein gefräßiges Loch, in dem die Mädchenherzen verschwinden. Wie ein Reflex bleibt die aufkeimende Neigung zum schönen Geschlecht: noch ein kurzer Moment der Bejahung, Herausforderung, Überwältigung …, bevor mit der Melancholie der Erfüllung wieder alles erstirbt. Für Don Juan keine Frage: How far are we from dying? Ein Aufflackern, bevor … Was?
Alle Frauen eine Frau. Die Frau, die eben nicht alle Frauen ist. Uneinholbare Vergangenheit. Ohne die er zum hombre sin nombre wird, weil er seinen Namen an fremde Phantasien verliert. Ein „Don Juan“, ein erotischer Genius, Epikuräer, Latin Lover, ein Giovanni, Parasit oder Opfer weiblicher Lust, nur nicht er selbst. Er ist sich hinter seinem eigenen Mythos abhandengekommen. Selbst als Antimythos schon wieder Mythos.
Bei Molière gibt es deshalb statt Sex auch nur das Versprechen der Verführung. Don Juan als ein Mann des ewigen Vorspiels, gejagt vom moralinsauren Nachspiel, ermüdet: in einer Liebesdialektik von Quantität und Qualität. Seine Leidenschaftslosigkeit ist die Waffe in diesem letzten Duell mit den Moralvorstellungen der anderen. Die Provokation. Dieser Don Juan verausgabt sich im Unglauben, um endlich Gottes ansichtig zu werden. Nur dass im Himmel alle interessanten Menschen fehlen. – Eine Hochzeit von Himmel und Hölle.
Anja Nioduschewski
mit Artemis Chalkidou, Sebastian Grünewald, Manuel Harder, Eva-Maria Hofmann, Matthias Hummitzsch, Hagen Oechel, Birgit Unterweger
Co-Regie: Jürgen Kruse
Bühne: Volker Hintermeier
Kostüme: Caritas de Wit
Licht: Kai Luczak
Dramaturgie: Anja Nioduschewski
Dauer: 2 Stunden 10 Minuten
Weiteres Material unter Denken+Handeln.