Der Prozess

Von Franz Kafka

Bei Kafka bleibt alles Fassade: Die Erkenntnis ist ein Irrtum, Lüge erweist sich als Prinzip höchster Ordnung. Von wem wurde Josef K. denunziert? Wer sind seine Kläger, wo die Richter? Was ist die Schuld?

K.s Kampf um seine Unschuld ist mehr als ein gewöhnlicher Strafprozess – es ist die Abrechnung mit seiner bisherigen Existenz. Das Ergebnis, vernichtend: K. begnügt sich mit dem Status quo, seine Talente verkümmern in täglicher Routine. Sein Leben ist Stillstand, ein Rasen auf der Stelle, ein Rückzug. Das eigene Leben ungelebt verschwendet.

K. ist das Synonym für eine Gesellschaft, die sich Reformen und Veränderungen entzieht, die sich ihrer Vergangenheit rühmt, sich dem Hier und Jetzt verweigert und keine Visionen und Utopien von der Zukunft zulässt. Die Folge: Tatenlosigkeit und Ohnmacht. Die Gemeinschaft wird zum Spielball fremder Willkür, das Prinzip Hoffnung zum einzigen Strohhalm. Das Urteil über K. mutet an wie das Menetekel eines untergehenden Systems: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.                                  

                                        Michael Billenkamp

mit Anna Blomeier, Matthias Hummitzsch, Andreas Keller, Guido Lambrecht, Sarah Sandeh, Holger Stockhaus, Berndt Stübner

Regie: Sebastian Hartmann
Raumkonzept: Sebastian Hartmann nach einer Idee von Pedar Freiij
Kostüme: Adriana Braga Peretzki, Jenny Linhart
Licht: Rainer Casper
Sound: Alexander Nemitz
Dramaturgie: Michael Billenkamp


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