Büchner/Leipzig/Revolte

Georg Büchner

Wie kommt der Mensch in die Revolte? Die Revolte schließlich in die Revolution, der Mensch von der Straße auf die Straße? Wie viel soziale Ohnmacht kann er ertragen? Und wo liegt jene Grenze zum Unerträglichen, an der das verletzte Rechtsempfinden einer zornigen Seele ALLE meint und in massentaugliche Manifeste, Aufruhr oder gewalttätige Visionen umschlägt? Gewalt oder keine Gewalt! Staatsgewalt. Blutige Hände oder friedliche Revolutionen. Muss der Aufruhr erst in die demütigen Hirne geimpft werden und der Mensch am ideologischen Himmelreich aufgehängt, um seine Bodenhaltung zu betrachten – wie es Georg Büchner mit dem Hessischen Landboten tat? Später skandieren sie alle als mündige Bürger ihre Erkenntnis wie Schlagzeilen – „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ – von den Barrikaden und auf dem Leipziger Stadtring – „Wir sind das Volk“.

Leipzig: Das ist der Weg vom Einzelnen hin zu 70.000 Demonstranten, der Weg vom Marktplatz, auf dem Johann Christian Woyzeck 1824 öffentlich hingerichtet wurde, bis zur Nikolaikirche, von wo aus 1989 ein ganzes Volk aufbrach.

Der Revolutionär Georg Büchner blieb als Autor und Denker gefangen in einer Dialektik aus Gewalt als einzigem Mittel der politischen Umwälzung und einem Fatalismus der Geschichte, der jeden Kampf von vornherein sinnlos erscheinen ließ. Mit Büchners Schriften aber kommen wir in die Reflexion: über die systematische Ohnmacht des Einzelnen, Woyzeck, über einen Hessischen Landboten als Anstiftung zum Aufruhr, über den Fatalismus im Revolutionär und die Rechtfertigung revolutionärer Gewalt in „Dantons Tod“.

So formuliert sich vielleicht eine Antwort auf das, was mit der Leipziger Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 eine historische Merkwürdigkeit auf den Plan rief: eine friedliche Revolution.

                                    Anja Nioduschewski

mit: Manolo Bertling, Jimmy Hartwig, Thomas Lawinky, Hagen Oechel, Barbara Trommer, Henrike von Kuick u. a. – sowie dem Projektchor BÜCHNER/LEIPZIG/REVOLTE

Regie: Thomas Thieme
Ausstattung: Katrin Brack
Musikalische Leitung: Erik Schober
Licht: Ralf Riechert
Video: Nikolai Eberth
Dramaturgie: Anja Nioduschewski

Dauer: 1 Stunde 30 Minuten


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