Braune Kohle (Uraufführung)
Von Dirk Cieslak und Annett Hardegen
Eine utopische Zeitreise in den Arbeitsalltag der DDR
Die monströsen Tagebau-Restlöcher südlich von Leipzig werden geflutet. Statt verzweifelter Mondlandschaft wartet „Neuseenland“. Noch stehen vereinzelt Brikettfabriken und Reste von Förderanlagen. Noch lebt eine ganze Generation in der Region, deren Leben von der Braunkohle geprägt wurde, Menschen, die in Tagebau und Kombinat gearbeitet, die ihre eigenen Dörfer weggebaggert haben. Politische Wende und ökologische Ineffizienz der Kohle haben aus ihnen Steinzeitmenschen gemacht. Und doch: Die fast vergessenen Slogans „Bessere Kohle – besseres Leben!“ oder „Ich bin Bergmann – wer ist mehr?“ beschreiben den Stolz der Kumpel, die die untergegangene Republik mit Strom und Wärme versorgten.
Die Regisseure Dirk Cieslak und Annett Hardegen, Menschen rund um die Stadt Borna und Schauspieler des Centraltheater haben sich zusammen auf Recherche begeben, haben nach dem Leben und den sozialen Praktiken gegraben, die seit 1989 verschwunden sind. Mit ihnen besteigen wir noch einmal den Bagger, stehen an der Brikettpresse, singen Bergmannslieder, arbeiten im Kollektiv und erzählen Geschichten „aus der Produktion“.
Braune Kohle, das sind zwei sehr unterschiedliche Inszenierungen an zwei sehr konträren Orten: als theatrale Ortsbegehung in der Schaltwarte des ehemaligen Braunkohle-Kombinats Espenhain und als Inszenierung am Centraltheater Leipzig.
Braune Kohle 1 – Eine theatrale Ortsbegehung …
findet in der ehemaligen Schaltwarte des Braunkohle-Kombinats Espenhain statt – bevor das Gebäude, wie der Rest der einstmals größten „Dreckschleuder“ der DDR, abgerissen wird. Wir bringen ein letztes Mal die BRAUNE KOHLE ins Werk: In 12 inszenierten Führungen durch die Schaltwarte wird nicht nur ein Rückblick auf den Arbeitsalltag in der Braunkohle geworfen, sondern die Industrie-Architektur noch einmal zum Leben erweckt. Die thematischen Führungen werden zum größten Teil von ehemaligen Beschäftigten der Braunkohlenindustrie bestritten, markante Orte in dem Gebäude werden szenisch mit Geschichten und Geschichte aufgeladen.
Braune Kohle 2 – Die Produktion …
findet als Theaterabend auf der großen Bühne des Centraltheater statt. Schauspieler und Laien-Darsteller setzen die recherchierten Geschichten „aus der Produktion“ und dem Leben an der Tagebau-Kante in Szene. Die Braunkohle-Förderung im Südraum von Leipzig läuft aus, aber das Kombinat lebt!
Anja Nioduschewski
mit: Klaus Abert, De Bätzoldn, Karl-Heinz Dallmann, Frank Feldmann, Frank Hankel, Walter Hartert, Andreas Hartung, Marianne Hesse, Ilona Jahn, Gudrun Jugel, Andrej Kaminsky, Reinhard Katzer, David Kosel, Gerd Krah, Hagen Oechel, Emma Rönnebeck, Werner Schreyer, Albrecht Schuch, Robert Soujon, Heino Streller, Birgit Unterweger, Albrecht Wolf, dem Projektchor „Braune Kohle“, der Instrumentalgruppe Regis-Breitingen sowie der Himbeerband
Regie: Dirk Cieslak, Annett Hardegen
Bühne und Kostüme: Bernd Schneider, Ulrike Bresan
Musikalische Leitung: Barbara Rucha
Dramaturgie: Anja Nioduschewski
Weiteres Material unter Denken+Handeln.