Nackter Wahnsinn – Was ihr wollt

(Ich will nicht dass mir jemand sagt welche Rolle ich zu spielen habe!)

Nach Shakespeare/Anderen/Hartmann

William Shakespeare hat in seiner klugen Komödie WAS IHR WOLLT die Frage, ob wir alle nur in der Verstellung zum eigenen Wesenskern vorzudringen im Stande sind, spielerisch elegant mit einem klaren „jein“ beantwortet. Seine Gestrandeten, Liebespaare und kommentierenden Witzfiguren probieren alle immer sich selbst – im Gegenüber – aus. Ihre „Rolle“ komponiert das unbekannte ICH. Was macht ein Schauspieler? Er verstellt sich in Menschen hinein, die man dann „Figur“ nennt. Er spielt seine Rolle, mehr oder weniger überzeugend, denen vor, die das für bare Münze nehmen sollen. Die Rolle zu spielen ist schwer. Noch schwerer ist es, ihr zu entgehen. Wie im richtigen Leben besteht die Identität des Künstlers damit im permanenten Rollenwechsel. Er hat seine Identität gleichsam in der Nicht-Identität.
Entwerfen wir die folgende Struktur: Ein Schauspielerensemble probiert Shakespeares WAS IHR WOLLT. Das ist naturgemäß NACKTER WAHNSINN und MUSS scheitern, wenn alle allen anderen einschließlich sich selbst ein X für ein U vormachen wollen. Ist das da oben nur die Generalprobe vor der Premiere, was Autor, Regisseur und Ensemble da treiben? Oder ist dies alles eine Probe auf die Wirklichkeit, die wir vermeintlich im Griff zu haben scheinen? Wenn irgendwo da draußen ein Selbst ist, das mir gehört und sich zu verwirklichen lohnt: Wo ist dieses Selbst hin? Kommt es eines Tages wieder? Was in uns ist es dann, das fühlt, liebt und am Ende stirbt? Also sind all das nur Rollen, die mich jemand zu spielen zwingt?

Das Centraltheater, Komödienautoren wie Shakespeare und Andere, Sebastian Hartmann und sein Ensemble bastardisieren lustvoll – durchaus als Gegenstück zur Reise nach innen mit „Fanny und Alexander“ von Bergman – das Scheitern und den Triumph von Theater als Satyrspiel: Eine Eröffnung.

                                               Uwe Bautz

mit: Manolo Bertling, Susanne Böwe, Maximilian Brauer, Artemis Chalkidou, Edgar Eckert, Sarah Franke, Manuel Harder, Matthias Hummitzsch, Andrej Kaminsky, Thomas Lawinky, Brigitte Ostruznjak, Hagen OechelBirgit Unterweger, Cordelia Wege

Regie und Bühne: Sebastian Hartmann
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Musik: Steve Binetti
Chorleitung: Walter Zoller
Licht: Lothar Baumgarte
Dramaturgie: Uwe Bautz

Dauer: ca. 2 Stunden 45 Minuten, eine Pause