Das Fest
Von Thomas Vinterberg / Mogens Rukov
Helge, erfolgreicher Geschäftsmann und Hotelier, hat zu seinem 60. Geburtstag geladen. Die ganze Familie und viele Freunde sind gekommen. Trotz des Selbstmords der Tochter Linda, der nur kurze Zeit zurückliegt, beginnt der Abend wie wahrscheinlich die meisten Familienfeste: Begrüßung, Smalltalk, Scherze. Doch dann hält der älteste Sohn Christian die Tischrede, ganz im Sinne der Familientradition. In dieser erhebt er schwere Vorwürfe gegen seinen Vater, der ihn und seine Zwillingsschwester im Kindes- und Jugendalter regelmäßig sexuell missbraucht habe. DAS FEST geht zunächst weiter, als wäre nichts geschehen, doch am Ende des Abends wird nichts mehr sein wie zu Beginn. Die beklemmende Geschichte erzählt von der Halbwertszeit der Lebenslüge sowie von der reinigenden und gleichzeitig zerstörenden Kraft der Wahrheit. „Die Familie gewinnt immer.“ (Thomas Vinterberg) Familie überdauert die Verbrechen, die sie begeht. Familie kennt kein Erbarmen. Sie ist als tragisches System seit Erfindung der Tragödie auf der Bühne anwesend. Vinterbergs modernes Königsdrama hat es allerdings als eins der ganz wenigen zeitgenössischen Stücke zu dauernder, sehr erfolgreicher Präsenz auf den Spielplänen gebracht. Was sicher auch daran liegt, dass uns allen die komischen Rituale und Illusionen über „Familie“ so sehr vertraut sind. So wie die Angst vor dem Tabubruch: Was passiert, wenn einer nicht länger mitmacht?
Uwe Bautz
mit Manolo Bertling, Jele Brückner, Sarah Franke, Günther Harder, Matthias Hummitzsch, Dieter Jaßlauk, Guido Lambrecht, Ingolf Müller-Beck, Nikolaus Okonkwo, Lore Richter, Melanie Schmidli, Berndt Stübner, Barbara Trommer
Regie: Martina Eitner-Acheampong
Bühne: Jan Steigert
Kostüme: Yvette Schuster
Musikalische Leitung: Matthias Flake
Licht: Jan Bregenzer
Dramaturgie: Uwe Bautz
Dauer: 2 Stunden
Weiteres Material unter Denken+Handeln.