Der centrale Film:

René (Gewinner DOK Leipzig 2008)

von Helena Trestíková, Tschechien 2008,
83 Minuten; Gewinner des Europäischen Filmpreises 2008 in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“

Im Jahr 1989 beginnt Helena Trestíková, den jugendlichen Strafgefangenen René zu filmen. Fast zwanzig Jahre verfolgt sie filmisch den Rhythmus eines Lebens, das sich in Gefängnissen abspielt und nur von Phasen der Freiheit unterbrochen wird. Zwanzig Jahre, in denen sich epochale gesellschaftliche Umbrüche vollziehen, Systeme, Staatsformen und Regierungen wechseln, die nur in Form von Fernsehbildern in Renés Zelle dringen. Die Verbindung zwischen drinnen und draußen ist Trestíková selbst, die nach und nach zur einzigen verlässlichen Konstante im Leben ihres Protagonisten wird. Eine widersprüchliche, wechselvolle Beziehung, die René in seinen Briefen an die Regisseurin reflektiert. Von ihm gelesen erweitern sie den Film um eine Ebene, in der Trestíková praktisch zur zweiten Protagonistin wird. René, der mit ihrer Hilfe im Laufe der Zeit selbst zum erfolgreichen Autor avanciert, erweist sich dabei als ebenbürtiger, aber schwieriger Partner. Aufmerksamkeit fordert er ebenso drastisch ein, wie er immer wieder das Verhältnis von Filmemacherin und Protagonist hinterfragt. Trestíkovás Versuche, René zum Mitautoren des Films zu machen, sind Teil der Geschichte. Einer Geschichte von überwältigender Kraft, die dorthin reicht, wo es wehtut.