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Glaube Liebe Hoffnung

Ein Film von Andreas Voigt, Deutschland 1994

„Glaube Liebe Hoffnung“ ist der vierte Film eines fünfteiligen Leipzig-Zyklus, den der Dokumentarfilmer Andreas Voigt im Verlauf eines Jahrzehnts (1987–1997) drehte.

Erst im vergangenen Jahr zeigte das international renommierte Festival DOK LEIPZIG in der Reihe „Transit ’89“ mit großem Erfolg den zweiten und dritten Film aus diesem Zyklus: „Leipzig im Herbst“ und „Letztes Jahr Titanic“ – Filme, die sich direkt mit der Zeit der Wende in Leipzig beschäftigen. In „Glaube Liebe Hoffnung“ begleitete Voigt über ein Jahr hinweg, von Dezember 92 bis Dezember 93, eine Gruppe junger Leipziger Neonazis. In strengen Schwarz-Weiß-Bildern und in der Tradition der DEFA-Dokumentarfilme zeigt er eine Stadt, die sich rasant verändert. Ihre Jugend bewegt sich indes zwischen Träumen und Hoffnungen, Aggression und Gewalt auf eine Zukunft zu, die außer „Deutschland“ wenig zu bieten scheint.

Voigt beschrieb seinen Film als „die Agonie einer Generation“. Dirk sitzt zu Beginn des Films wegen eines Überfalls auf ein Ausländerwohnheim im Gefängnis. Früher war er Unteroffizier der NVA, nun will er zur Fremdenlegion und kleidet sich „wie von der Waffen-SS“. Seine Freundin Jeanine wartet auf ihn und senkt zu seinen Sprüchen den Kopf. Der Skinhead André ist im Kinderheim aufgewachsen, arbeitslos, wenn er nicht als Weihnachtsmann jobbt. Er komponiert und textet rassistische Lieder und klopft mit Kumpels aus der Szene martialische Sprüche. Sein engster Vertrauter ist sein Wellensittich. Der 20-jährige „Papa“ war früher „links“, dann „rechts“ und ist heute wieder „links“. Wo man landet, scheint egal zu sein. „Für Ruhe und Ordnung“ möchte er sorgen, als Wachmann – und nicht mehr arbeitslos sein.

Wir zeigen „Glaube Liebe Hoffnung“ in der Skala im Rahmen unseres Rechercheprojekts „FANZ 89/09“, mit dem Regisseurin Mareike Mikat seit Beginn dieser Spielzeit dem Phänomen dieser Nachwende-Generation auf der Spur ist.

Im Anschluss an den Film findet ein Gespräch mit Mareike Mikat und Andreas Voigt statt.

                           Grit Lemke / Anja Nioduschewski