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2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß
Die Gegenwart der Vergangenheit in einer deutschen Familie Dokumentarfilm von Malte Ludin, Deutschland 2004, 85 Min.
„Dies ist die Geschichte meines Vaters, eines Kriegsverbrechers, meiner Mutter, meiner Geschwister, Nichten und Neffen. Eine typisch deutsche Geschichte.“
(Malte Ludin)
Centraltheater + Skala starten in eine sehr deutsche Spielzeit, an deren Anfang die Frage nach den Vätern steht, in Schillers Räubern, Bronnens Vatermord oder Borschts Deutschland tanzt nicht, das nach geistiger Vaterschaft sucht. In 2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß schreitet Regisseur Malte Ludin den Schatten seines Vaters, eines Nationalsozialisten, filmisch ab und befragt drei Generationen seiner Familie: Wer war Hanns Elard Ludin? Wer war und wer ist er in ihren Augen? 60 Jahre nach Kriegsende. Die Wahrheit über die Vergangenheit des Vaters ist längst aktenkundig, aber unter seinen Verwandten wird sie beschönigt, geleugnet und verdrängt – mit all der Leidenschaft, zu der nur Familienbande fähig sind. In der Weimarer Republik wird Hanns Ludin berühmt, weil er in der Reichswehr für Hitler konspiriert. Nach 1933 steigt er zum SA-Obergruppenführer auf. Ihm werden der Blutorden und andere hohe Weihen des Nazistaats zuteil. 1941 schickt ihn Hitler in den „Schutzstaat“ Slowakei. Als „Bevollmächtigter Minister des Großdeutschen Reiches“ soll er dort die Interessen Berlins durchsetzen – vor allem die „Endlösung“. Nach dem Krieg wird Hanns Ludin von den Amerikanern an die Tschechoslowakei ausgeliefert, 1947 zum Tode verurteilt und hingerichtet. Diese Tatsachen nimmt Malte Ludin, sein jüngster Sohn, zum Ausgangspunkt einer schmerzlichen Auseinandersetzung. Ein intimes und doch beispielhaftes Filmdokument – ein hochemotionaler Bericht aus dem Innern einer deutschen Familie.
Anja Nioduschewski
Im Anschluss an die Filmvorführung findet ein Publikumsgespräch mit dem Regisseur Malte Ludin statt.
