FROM HERE IN YOU’RE ON YOUR OWN

Arsenic and Old Lace

1941. Stalins Russland wird von Hitlers Truppen überfallen. Mit Pearl Harbor tritt Amerika in den Krieg ein und rückt nach Osten. Grönland wird entnazifiziert.
1941. Am 10. Januar kommt Joseph Kesselrings One-Hit-Wonder „Arsen und Spitzenhäubchen“ am Broadway heraus – und wird über Nacht zum Kassenschlager. Die Inszenierung mit Boris Karloff (dem legendären Darsteller des Monsters in „Frankensteins Monster“) in der Rolle des Jonathan ist derart erfolgreich, dass sie Kesselring unerwarteten Reichtum beschert und die Kinopremiere erst stattfinden darf, nachdem das Stück am Broadway abgesetzt ist. Apropos „Leiche im Keller“: die 40er Jahre sind auch die Zeit des Triumphs der Psychoanalyse Freuds und stellen die Weichen für den amerikanischen Psycho-Boom der kommenden Jahrzehnte. 1944, drei Jahre nachdem Frank Capra „Arsen und Spitzenhäubchen“ verfilmt hat, ist Cary Grant endlich zum ersten Mal als Mortimer Brewster auf der Leinwand zu sehen.

„Elaine, Liebling … wahrscheinlich hätte ich es dir verheimlichen sollen … aber … meine Familie ist geisteskrank. Alle miteinander. Das datiert bis zum ersten Brewster zurück, der damals mit den Pilgern rüberkam. Du weißt doch, wie damals die Indianer die Siedler skalpierten – er hat die Indianer skalpiert!“

Arsen und Spitzenhäubchen

Wahnsinn

Dass die Psychologie niemals den Wahnsinn meistern kann, hat seinen guten Grund: Die Psychologie ist in unserer Welt erst möglich geworden, als der Wahnsinn bereits gemeistert, als er vom Drama schon ausgeschlossen war. Und wenn er, ein Blitz, ein Schrei, bei Nerval oder bei Artaud, bei Nietzsche oder Roussel wieder auftaucht, so verstummt die Psychologie ihrerseits und steht wortlos vor dieser Sprache, die den Sinn ihrer Worte jenem tragischen Aufriss und jener Freiheit entlehnt, denen gegenüber die bloße Existenz von „Psychologen“ dem heutigen Menschen ein bedrückendes Vergessen gewährleistet.

Aus: Michel Foucault: Psychologie und Geisteskrankheit.
© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1968.

Deutschland 1930

Als personifizierte Tagträume, die Köpfen entsprangen, denen Freiheit ein tödlicher Schock und Jungsein ständige Versuchung bedeutete, füllten diese Figuren die Arena im Deutschland der Nazis. Der leibhaftige Homunculus ging um. Selbsternannte Caligaris hypnotisierten zahllosen Cesares Mordbefehle ein. Rasende Mabuses begingen wahnsinnige Verbrechen und gingen straffrei aus, und irre Iwans erdachten unerhörte Folterungen. Viele von der Leinwand her bekannte Motive wurden in dieser unheiligen Prozession zu lebendigen Ereignissen. In Nürnberg erschien das Ornament der Masse aus den NIBELUNGEN in gigantischen Ausmaßen: ein Meer von Flaggen und Menschen, die kunstvoll ausgerichtet waren. Seelen wurden durch und durch manipuliert, wie um den Eindruck zu schaffen, das Herz vermittle zwischen Hirn und Hand. Tag und Nacht zogen Millionen in Stadt und Land über die Straßen. Unaufhörlich erklang das Schmettern der Militärfanfaren, und den Spießern in Plüsch und guter Stube schwoll die Brust. Schlachten dröhnten, und ein Sieg jagte den anderen. Alles war so wie im Film. Und die dunklen Vorahnungen von einer Götterdämmerung sollten sich erfüllen.

Aus: Siegfried Kracauer, Von Caligari zu Hitler. Eine psychologische Geschichte des deutschen Films. © Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1979.

Amerika 1940

In den vierziger Jahren setzt den Amerikanern die Kriegserfahrung zu; einmal mehr spiegelt sich das kollektiv empfundene Gefühl bedrohter Sicherheit in den amerikanischen Filmen. Doch anders als in den Gangsterfilmen der Depressionszeit setzen sich die heutigen weniger mit sozialen Mißständen als mit psychologischen Abirrungen auseinander. Diesmal ist das Unvermögen des Films, Lösungen zu bieten oder anzudeuten, besonders auffällig; die alles ergreifende Angst, die die geistige Gesundheit des Durchschnittsmenschen bedroht, scheint als unvermeidlich und beinahe unerforschlich angenommen zu werden.

Aus: Siegfried Kracauer, Kino. © Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1974.

Panama

Nach dem finanziellen Erfolg des Suezkanals in Ägypten (1869 eröffnet) glaubte man in Frankreich, dass ein Kanal, der Atlantik und Pazifik miteinander verbindet, ebenso einfach zu bauen wäre. Es sollte ein schleusenloser Kanal über den Isthmus von Panama werden, mit einer Länge von 73 Kilometern. Wegen Planungsmängeln, falscher geologischer Untersuchungen, schlechter Organisation, Bestechung, unzähliger technischer Schwierigkeiten und Pannen gaben die Franzosen nach 8-jähriger Bauzeit aus finanziellen und politischen Überlegungen auf und stellten die Arbeiten 1889 ein. Bis zu diesem Zeitpunkt waren 22.000 Arbeiter (7,5 pro Tag) an Gelbfieber und Malaria gestorben. Präsident Theodore Roosevelt wollte mit einem antikolumbianischen Putsch das gescheiterte französische Kanalbauprojekt unter amerikanischer Kontrolle zum Erfolg bringen. Für zehn Millionen Dollar erhielten die USA volle Souveränität über die Kanalzone – inklusive eines Interventionsrechtes, das besagte, die USA müssten immer dann die Rolle einer internationalen Polizeimacht übernehmen, wenn in den betreffenden Staaten politisches Chaos oder eine Einmischung fremder Mächte drohen würde. Auf dieser Grundlage intervenierten die USA bis in die dreißiger Jahre hinein in ihrem „Hinterhof“. Die Arbeit am Kanal wurde im April 1907 von Generalmajor George Washington Goethals fortgesetzt; am 15. August 1914 erfolgte die erste Durchfahrt durch den heutigen Panamakanal. Die offizielle Eröffnung fand erst 1920 statt. Während der Bauarbeiten von 1906 bis 1914 starben 5.609 Arbeiter an Unfällen und Krankheiten (weitere 1,9 Todesfälle pro Tag). Insgesamt forderte der Bau des Panamakanals somit circa 28.000 Menschenleben. Fertig geworden ist er bis heute nicht – ein Abschluss der 2007 wieder aufgenommenen Ausbauarbeiten ist für 2014 geplant.

Horrorfilm

Ein häufig anzutreffendes Merkmal des Horrorfilms ist die oftmals übernatürliche bzw. nicht immer wissenschaftlich erklärbare Bedrohung der Protagonisten. Dadurch unterscheidet sich der Horrorfilm vom Thriller, dem er allerdings nahesteht. Typische übernatürliche Gegenspieler im Horrorfilm sind Vampire, Werwölfe, Gespenster, Zombies, Außerirdische, Monster, Mutanten oder außer Kontrolle geratene Geschöpfe (z. B. Golems). Es existieren jedoch auch zahlreiche Horrorfilme, die ganz ohne übernatürliche Akteure und Phänomene auskommen, etwa der „Slasherfilm“, bei dem die Bedrohung zumeist von menschlichen, aber psychopathischen Mördern ausgeht. Trotz ihrer größtenteils unrealistischen Bösewichterpalette gelten für die im Horrorfilm kreierte, fiktive Welt dennoch die Gesetze und der Rationalismus unseres Alltags.

„Es gibt gewisse Regeln, die man unbedingt beachten muss, wenn man eine Chance haben will, in einem Horrorfilm zu überleben. Nummer eins: enthalte dich jeder Form von Sex. Sex ist gleich Tod. Nummer zwei: Nicht trinken und keine Drogen. Das alles fällt unter Sünde. Sünde ist die Erweiterung von Nummer eins. Und Nummer drei: Du darfst nie, niemals und unter keinen Umständen sagen ‚Ich komm gleich wieder.‘ Denn du kommst nicht wieder.“

„Scream 2“. USA, 1997

Revuefilm

Der Revuefilm zeichnet sich durch leichte, beschwingende, fröhliche Unterhaltung aus, gespickt mit immer wiederkehrenden Gesangs- und Tanzeinlagen, vorwiegend bestehend aus zeitgenössischen Schlagerhits. Die Handlung baut meist auf einer romantischen Komödie auf, in der es oft um Backstage-Proben oder Aufführungen von Revuen geht. Im Nationalsozialismus hatte der Revuefilm in Deutschland seine größte Popularität. Wegen der Verwandtschaft zum Genre werden gelegentlich auch einige US-amerikanische Filmmusicals, die im gleichen Zeitraum entstanden sind, als Revuefilme bezeichnet. Die berühmtesten Stars, denen der Revuefilm zum Durchbruch verhalf, sind wohl die Filmlegenden Fred Astaire und Ginger Rogers.

Keuschheit ist die Blüte des Menschen, und was Genius, Heroismus, Heiligkeit und dergleichen genannt wird, sind nur die verschiedenen Früchte, die daraus folgen … Es gibt nur eine Sinnlichkeit, mag sie auch viele Formen annehmen, und es gibt nur eine Reinheit. Es ist dasselbe, ob ein Mensch in lüsterner Weise isst, trinkt, Geschlechtsverkehr hat oder schläft. Dies alles entspringt derselben Begehrlichkeit, und wir brauchen einem Menschen nur bei einer dieser Handlungen zuzusehen, um zu wissen, wie sinnlich er ist … Für den Schüler ist Sinnlichkeit gleichbedeutend mit Geistesträgheit.

                                                            Henry David Thoreau