Das Interview von Christian Meunier mit Aki Kaurismäki aus dem Jahr 1990 sehen Sie unter www.youtube.com.
Perfect Day
Just a perfect day,
Drink Sangria in the park,
And then later, when it gets dark,
We go home.
Just a perfect day,
Feed animals in the zoo
Then later, a movie, too,
And then home.
Oh it’s such a perfect day,
I’m glad I spent it with you.
Oh such a perfect day,
You just keep me hanging on,
You just keep me hanging on.
Just a perfect day,
Problems all left alone,
Weekenders on our own.
It’s such fun.
Just a perfect day,
You made me forget myself.
I thought I was someone else,
Someone good.
Oh it’s such a perfect day,
I’m glad I spent it with you.
Oh such a perfect day,
You just keep me hanging on,
You just keep me hanging on.
Lou Reed
Anmerkungen zum Selbstmitleid eines Drehbuchautors
Ich habe dieses Drehbuch in Portugal geschrieben, in einem Turm mit drei Fenstern: Vom einen sieht man das Meer, vom zweiten die Berge und vom dritten die Küste entlang auf die nächste Stadt. Das Schreiben an sich nahm ein Wochenende im Januar 1990 in Anspruch, doch ich hatte bereits die Woche zuvor in einer benachbarten Bar verbracht, wo ich mit großer Anstrengung vieldeutige Figuren kritzelte, deren offizieller Zweck darin bestand, dem armen Drehbuchautor einige dunkle Stellen der Dramaturgie zu erhellen, die jedoch in Tat und Wahrheit einen sehr durchschaubaren Vorwand abgaben, um einerseits diese widerwärtige Arbeit aufzuschieben und andererseits ein paar Gläser ausgezeichneten portugiesischen Biers zu mir zu nehmen, wobei in diesem Zusammenhang das Super Bock hervorgehoben werden sollte (das dank seinem Wasser aus dem Norden deutlich geschmackvoller ist als das überschätzte Sagres aus Lissabon).
Es ist für mich nicht besonders interessant, vor den Dreharbeiten ein Skript zu schreiben, da ich von Natur aus faul bin; aber aufgrund der Komplexität dieser Produktion (die Sprache des Dialogs, die mir selbst eher fremd ist; eine teilweise neue Equipe; Schauspieler, die ich noch nicht kannte; Nashörner, Hämmer und Mähdrescher) sah ich mich gezwungen, mich schon zwei Monate vor den Dreharbeiten gegen die kalte Wand weißen Papiers zu werfen. Während des Wochenendes, das ich in dem Turm verbrachte, litt ich unter den gleichen peinlichen Beschwerden wie Ernest Hemingway im fortgeschrittenen Alter (und damit hört unsere Ähnlichkeit auch schon auf), so daß jeder begreifen wird, um was für einen qualvollen Schaffensprozeß es sich hier gehandelt haben muß. Es ist nicht gut, daß der Mensch Filme macht, die so kompliziert sind, daß sie literarischer Vorarbeiten bedürfen. Im nächsten Stadium meiner Erniedrigung werde ich zweifellos anfangen, mit der Equipe wöchentliche Produktionssitzungen abzuhalten: Wir werden Dias an die Wand projizieren und einander Fotos zeigen, und auf dem Tisch stehen Kaffee und Plundergebäck. Tags darauf drehen wir dann vier Einstellungen.
I Hired a Contract Killer geht zurück auf ein Blatt Papier, das Peter von Bagh vor Jahren in unserem Büro gelassen hat und auf dem zwei Ideen festgehalten waren, die er uns zur freien Verfügung stellte. Dies ist nun die eine der beiden, nämlich, daß ein Mann einen Killer anheuert, der ihn umbringen soll, er es sich jedoch plötzlich anders überlegt. Die Dreharbeiten eines Films, die es an Langeweile durchaus mit der Arbeit eines Ladenangestellten aufnehmen können, haben immerhin den einen Vorteil, daß man, wenn nötig, die Fehler, die man selber macht, einem andern in die Schuhe schieben und die betreffende Person, nachdem man sie oder ihn tüchtig gescholten hat, zwingen kann, einem einen Drink zu spendieren, was wiederum ein ausgezeichneter Vorwand ist, um eine Szene, die eh schon hinkt, für ein paar Minuten zu unterbrechen. Der Drehbuchautor aber ist ein armer, einsamer Teufel, der ohne jeden tröstenden Beistand in Tränen des Selbstmitleids zerfließen muß; ihm ist nicht zu helfen, und gewöhnlich (etwa im vorliegenden Fall) merkt das der Zufallsleser der schwerfälligen, teilweise sogar formlosen Sprache des Resultats auch an.
Meine einzige Verteidigung ist die, daß das Drehbuch ursprünglich im schönsten Finnisch geschrieben wurde, so daß zweifellos die Übersetzer daran schuld sind, daß der Text nun beinahe durchgehend unlesbar ist, zumindest für eine Person, die in moralisch sittlichen Belangen die sogenannt höheren geistigen Werte vertritt. Ich habe es deshalb auf mich genommen, die Verantwortlichen für die Übersetzung aufzuspüren und sie auf grausamste Weise zu bestrafen. Zu diesem Zweck fahre ich gegenwärtig auf dem Vorderdeck eines großen Schiffes dem Kontinent entgegen. Adieu, denn die Dringlichkeit meiner Aufgabe gebietet mir, gleich einem Fasan mit gebrochener Schwinge, tief über den Dächern in die Ferne zu entfliegen.
Aki Kaurismäki



